I was interviewed 05 Jan. by Juliane Kipper, Business Editor at Germany’s ntv.de, for this print article. Lies es Auf Deutsch— Read In English (from Google Translate). Or, read at ntv.de.

Trumps Plan klingt ambitioniert: US-Ölkonzerne sollen nach Venezuela zurückkehren und Milliarden in die stark beschädigte Infrastruktur investieren. Im Interview erklärt Energiestratege Thomas O’Donnell, wie schnell das Land nach Jahren politischer und wirtschaftlicher Krise wieder zu alter Stärke finden kann.
ntv.de: Trumps Versprechen klingt vollmundig: US-Ölkonzerne sollen nach dem Angriff auf Venezuela ins Land zurückkehren und Milliarden von Dollar investieren, die stark beschädigte Ölinfrastruktur reparieren und damit beginnen, Geld zu verdienen. Wird dieser Plan aufgehen?
Thomas W. O’Donnell: Das wird unter anderem auch davon abhängen, ob der Übergang zu einer neuen Regierung friedlich verläuft und ob diese dann mit den Vereinigten Staaten kooperiert. Wenn kompetente Manager und qualifizierte Fachkräfte ins Land zurückkehren, ließe sich meiner Einschätzung nach selbst mit einem Abkommen mit der derzeitigen Regierung – etwa mit Delcy Rodríguez, die faktisch an der Spitze steht und zugleich den staatlichen Ölkonzern PDVSA leitet – kurzfristig eine spürbare Steigerung der Ölproduktion erreichen. Derzeit exportiert Venezuela etwa 800.000 Barrel pro Tag. Einige Quellen sprechen sogar von bis zu 950.000 Barrel pro Tag. Sollte der Regimewechsel reibungslos ablaufen, könnte die Produktion innerhalb von ein oder zwei Jahren um etwa die Hälfte steigen.
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Welche Investitionen wären nötig, um kurzfristig signifikfant mehr Öl zu fördern?
Um mehr als 800.000 Barrel pro Tag zu fördern, sind massive Investitionen erforderlich. Die Infrastruktur ist stark veraltet und schlecht gewartet. Einzelne Unternehmen müssten Investitionen in Milliardenhöhe tätigen. Es gibt sehr viele Fördergebiete, und genug Raum für fünf, sechs oder sieben große ausländische Ölkonzerne. Wahrscheinlich würden die Unternehmen zunächst – solange noch kein vollständiges Vertrauen in die neue Regierung besteht – erst einmal einen Fuß in die Tür bekommen wollen und nur Investitionen im Bereich von einigen Hundert Millionen Dollar tätigen. Das klingt nach sehr viel Geld, ist im Ölsektor aber im Grunde nur ein erstes Signal.
Die großen finanziellen Verpflichtungen könnten also zunächst ausbleiben?
Bis sich große Firmen wirklich verpflichten, müssen sie erstmal die Rahmenbedingungen kennen. Entscheidend wäre, dass die Unternehmen PDVSA vertrauen können, dass der staatliche Ölkonzern selbst sowie das zuständige Ministerium umstrukturiert worden sind und es klare, verlässliche Gesetze gibt.
Welche Konzerne hätten noch ein gesteigertes Interesse daran, in Venezuela wieder aktiv zu werden?
Zwei Unternehmen, die historisch gesehen auf amerikanischer Seite eine große Rolle gespielt haben, sind ConocoPhillips und ExxonMobil. Ich könnte mir vorstellen, dass sie erneut in Venezuela investieren wollen. Beide waren schon lange vor Hugo Chávez in Venezuela aktiv, kannten das Land und die Strukturen sehr gut und waren von Anfang an präsent. Sie entschieden sich jedoch zum Rückzug, als Chávez die rechtlichen Rahmenbedingungen veränderte.US-Geschäfte in SüdamerikaDer Konflikt um Venezuelas Öl schwelt seit Jahrzehnten
Wie sahen diese Änderungen damals genau aus?
Ursprünglich galt ein 50/50-Modell: Ein ausländisches Unternehmen konnte 50 Prozent eines Ölfeldes halten, die anderen 50 Prozent gehörten PDVSA. Chávez änderte dieses Modell, indem er den ausländischen Unternehmen 10 Prozent entzog und diese Anteile PDVSA übertrug. Auf den ersten Blick ist das keine dramatische Veränderung. Entscheidend war jedoch, dass PDVSA damit eine Mehrheit von 60 Prozent erhielt. Das bedeutete, dass PDVSA fortan die operative Kontrolle über die Felder hatte. Sämtliche Einnahmen liefen über den Mehrheitsgesellschafter. PDVSA entschied über Ausgaben und Zahlungsflüsse. Auf diese Weise entstand ein enormer Strom an Korruption, den Chávez politisch nutzen konnte. Es handelte sich also nicht um eine radikale Verstaatlichung im klassischen Sinne, aber um eine sehr wirkungsvolle Verschiebung der Kontrolle über die finanziellen Mittel.
Und das akzeptierten ConocoPhillips und ExxonMobil nicht?
Genau. Sie waren mit den angebotenen Entschädigungen unzufrieden und lehnten die neue Struktur grundsätzlich ab. Beide verließen das Land und zogen vor internationale Schiedsgerichte. ConocoPhillips wurden dabei rund 10 Milliarden US-Dollar zugesprochen, ExxonMobil etwa 1,6 Milliarden. Diese Summen wurden bis heute nicht vollständig zurückgezahlt; ein Teil wurde beglichen, aber nicht alles. Falls ConocoPhillips und ExxonMobil nach Venezuela zurückkehren würden, gehe ich davon aus, dass sie entschädigt werden müssten.Investoren, Firmen, StaatenVenezuelas Gläubiger stehen Schlange
Wie realistisch ist es, dass ausländische Ölkonzerne trotz Sicherheitsrisiken schnell zurückkehren?
Dafür braucht es ein klares, stabiles Rechtssystem, das nicht in einigen Jahren erneut infrage gestellt werden kann und Investitionen gefährdet. Das müsste mit der aktuellen Regierung verbindlich geklärt werden. Zudem geht es nicht nur um die Erschließung von Ölfeldern. Wenn man über zusätzliche eine halbe bis eine Million Barrel pro Tag hinausgehen will, muss die gesamte Infrastruktur erneuert werden: Stromversorgung, Straßen, Wohnorte in den Förderregionen und vieles mehr.
Zu Hochzeiten hat Venezuela in den 1970er Jahren pro Tag 3,5 Millionen Barrel gefördert. Sind solche Zahlen wieder denkbar?
Über einen Zeitraum von etwa fünf bis sieben Jahren könnte man die Förderung möglicherweise wieder auf dieses Niveau bringen. Die Vorgängerregierung von Chávez hatte sogar Pläne, auf etwa 6 Millionen Barrel pro Tag zu expandieren. Auch das ist grundsätzlich möglich. Bei all dem, was ich gesagt habe, muss man im Hinterkopf behalten: Solche Entwicklungen brauchen Zeit, selbst unter den besten Bedingungen.
Wie realistisch ist es, dass Venezuela langfristig wieder eine stabile Position auf dem Ölmarkt erreicht?
Es wird lange dauern, bis Venezuela genug Öl produziert, um den Weltmarkt wirklich zu beeinflussen. Über Jahrzehnte war das für die USA ohnehin kein relevantes Thema, weil venezolanisches Öl nicht dringend benötigt wurde – entgegen dem, was Chávez und Maduro oft behaupten. Für Trump ist Öl ein strategisches Instrument.Reserven, Exporte, RaffinerienWarum Venezuelas Ölindustrie Trumps Begehrlichkeiten weckt
Was heißt das genau?
In Washington herrscht ein breiter parteiübergreifender Konsens darüber, dass viele der geopolitischen Probleme, die Russland verursacht, mit seiner Fähigkeit zusammenhängen, durch den Export von Öl große Gewinne zu erzielen. In Washington zitieren Senatoren beider Parteien häufig John McCain mit den Worten: „Russland ist eine Tankstelle, die sich als Staat tarnt.“ Etwa 93 von 100 Senatoren fordern knallharte Sanktionen gegen russische Exporte, um Russlands Aggressionspotenzial dauerhaft zu unterbinden. Trump ist überzeugt, dass Sanktionen gegen russisches Öl Putin unter Druck setzen können. Es gibt bereits Gesetze, die eine drastische Reduzierung russischer Ölexporte ermöglichen könnten – Russland exportiert derzeit nur etwa 3,4 Millionen Barrel pro Tag. Gleichzeitig gibt es Überkapazitäten bei OPEC+, sodass man den Druck auf Russland erhöhen könnte, ohne das Weltölsystem zu gefährden.
Und wie geht es weiter?
Langfristig, in vier bis sieben Jahren, wird die weltweite Nachfrage wieder steigen, etwa in Europa und China. Aus dieser Perspektive ist es für die US-Strategie sinnvoll, Venezuela wieder produktiv zu machen, um geopolitische Hebel zu nutzen und Märkte wie das russische Öl gezielt zu beeinflussen. Das ist, soweit ich sehe, ein zentraler Teil der Kalkulation hinter Trumps Vorgehen.
Mit Thomas W. O’Donnel sprach Juliane Kipper
Das Interview wurde auf Englisch geführt und sprachlich geglättet.
Quelle: ntv.de

Trump’s plan sounds ambitious: US oil companies are to return to Venezuela and invest billions in the severely damaged infrastructure. In an interview, energy strategist Thomas O’Donnell explains how quickly the country can regain its former strength after years of political and economic crisis.
ntv.de: Trump’s promise sounds ambitious: US oil companies are supposed to return to Venezuela after the attack and invest billions of dollars to repair the badly damaged oil infrastructure and start making money. Will this plan work?Advertisement
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Thomas W. O’Donnell: That will depend, among other things, on whether the transition to a new government is peaceful and whether that government then cooperates with the United States. If competent managers and qualified professionals return to the country, I believe that even with an agreement with the current government—for example, with Delcy Rodríguez, who is effectively at the helm and also heads the state-owned oil company PDVSA—a noticeable increase in oil production could be achieved in the short term. Venezuela currently exports about 800,000 barrels per day. Some sources even speak of up to 950,000 barrels per day. Should the regime change proceed smoothly, production could increase by about half within one or two years.
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What investments would be needed to significantly increase oil production in the short term?
To produce more than 800,000 barrels per day, massive investments are required. The infrastructure is severely outdated and poorly maintained. Individual companies would have to invest billions. There are numerous production areas, and enough space for five, six, or seven large foreign oil companies. Initially, these companies would likely want to gain a foothold—as long as there isn’t yet complete confidence in the new government—and would only make investments in the range of a few hundred million dollars. That sounds like a lot of money, but in the oil sector, it’s essentially just a first step.
So, the major financial obligations might not materialize initially?
Before large companies can truly commit, they first need to understand the framework. Crucially, companies must be able to trust PDVSA, that the state-owned oil company itself and the responsible ministry have been restructured, and that clear, reliable laws are in place.
Which corporations would still have a heightened interest in becoming active in Venezuela again?
Two companies that have historically played a major role on the American side are ConocoPhillips and ExxonMobil. I could imagine that they might want to invest in Venezuela again. Both were active in Venezuela long before Hugo Chávez, knew the country and its structures very well, and were present from the beginning. However, they decided to withdraw when Chávez changed the legal framework.US business in South AmericaThe conflict over Venezuela’s oil has been simmering for decades
What exactly did these changes look like back then?
Originally, a 50/50 model was in place: a foreign company could hold 50 percent of an oil field, while the other 50 percent belonged to PDVSA. Chávez changed this model by taking 10 percent away from the foreign companies and transferring these shares to PDVSA. At first glance, this doesn’t seem like a dramatic change. Crucially, however, this gave PDVSA a 60 percent majority. This meant that PDVSA now had operational control over the fields. All revenues flowed through the majority shareholder. PDVSA decided on expenditures and payment flows. This created an enormous flow of corruption, which Chávez was able to exploit politically. It wasn’t a radical nationalization in the classical sense, but a very effective shift in control over financial resources.
And ConocoPhillips and ExxonMobil didn’t accept that?
Exactly. They were dissatisfied with the compensation offered and fundamentally rejected the new structure. Both left the country and took their cases to international arbitration tribunals. ConocoPhillips was awarded approximately US$10 billion, and ExxonMobil about US$1.6 billion. These sums have not been fully repaid to this day; some were settled, but not all. If ConocoPhillips and ExxonMobil were to return to Venezuela, I assume they would have to be compensated.Investors, companies, statesVenezuela’s creditors are queuing up
How realistic is it that foreign oil companies will return quickly despite security risks?
This requires a clear, stable legal system that cannot be challenged again in a few years and jeopardize investments. This needs to be definitively clarified with the current government. Furthermore, it’s not just about developing oil fields. If we want to go beyond an additional half a million to one million barrels per day, the entire infrastructure needs to be modernized: electricity supply, roads, housing in the production regions, and much more.
At its peak in the 1970s, Venezuela produced 3.5 million barrels of oil per day. Are such figures conceivable again?
Over a period of about five to seven years, it might be possible to bring production back up to that level. Chávez’s predecessor even had plans to expand to around 6 million barrels per day. That, too, is fundamentally possible. With all that I’ve said, it’s important to keep in mind that such developments take time, even under the best conditions.
How realistic is it that Venezuela will achieve a stable position in the oil market again in the long term?
It will be a long time before Venezuela produces enough oil to truly influence the global market. For decades, this wasn’t a relevant issue for the US anyway, because Venezuelan oil wasn’t urgently needed – contrary to what Chávez and Maduro often claim. For Trump, oil is a strategic tool.Reserves, exports, refineriesWhy Venezuela’s oil industry arouses Trump’s desires
What exactly does that mean?
In Washington, there is broad bipartisan consensus that many of the geopolitical problems Russia causes are related to its ability to reap huge profits from oil exports. Senators from both parties in Washington frequently quote John McCain as saying, “Russia is a gas station disguised as a state.” Roughly 93 out of 100 senators call for tough sanctions on Russian exports to permanently curb Russia’s potential for aggression. Trump is convinced that sanctions against Russian oil can put pressure on Putin. Laws already exist that could allow for a drastic reduction in Russian oil exports—Russia currently exports only about 3.4 million barrels per day. At the same time, OPEC+ has overcapacity, so pressure on Russia could be increased without jeopardizing the global oil system.
And what happens next?
In the long term, in four to seven years, global demand will rise again, particularly in Europe and China. From this perspective, it makes sense for the US strategy to restore Venezuela’s productivity in order to leverage geopolitical forces and strategically influence markets like Russian oil. As far as I can see, this is a key part of the calculation behind Trump’s approach.
Juliane Kipper spoke with Thomas W. O’Donnell
The interview was conducted in English and the language was edited to be more polished.
Source: ntv.de